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Wer spricht denn eigentlich
von der Bauwende?


Es gibt keinen gesellschaftlichen Diskurs zur ubiquitären Abrisspraxis und die mit dem Baubestand verbundenen Werte und Potenziale.


Foto: pixabay/architecture-3173357_1280

Die Bauwende muss raus aus der Fachblase. 

Es kann gar nicht oft genug gesagt werden. Auch bei der Eröffnung der Ausstellung FIX IT – UMBAU STATT ABRISS am 6. März in Berlin wurde wieder der fehlende gesellschaftliche Diskurs zum Thema betont.


Seit Jahren bleibt die Abrissfrage, auch Bauwende genannt, unterhalb des gesellschaftlichen Wahrnehmungsradars. Es gibt kein gesellschaftliches Bewusstsein für die Auswirkungen der vorherrschenden Stadtproduktionslogik Neubau-Abriss–Neubau und den ökologisch-sozialen Implikationen. Durch ubiquitären, meist nicht hinterfragten Abbruch brauchbarer Baubestände werden nicht nur Ressourcen verschwendet und Treibhausgase ausgestoßen, zu oft gehen damit gleichzeitig bezahlbarer Wohnraum, fragile soziale Gefüge und Nachbarschaften verloren.

 

Damit die Bauwende gelingt, sind umfassende Herausforderungen zu bewältigen. Ohne die Veränderung der Rahmenbedingungen in Planungsrecht und Baupraxis können zirkuläres Bauen und UmbauKultur nicht zum Standard werden. Ohne Zweifel eine Mammut-Aufgabe. Voraussetzung dafür ist ein Umdenken auf allen Ebenen, ein infrage stellen fest etablierter Strukturen, Denkmuster und Handlungsmaximen. Es geht darum, den Status Quo und gesellschaftliche Narrative kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen.

 

Die Bauwende ist Teil der Systemwende: Bauen innerhalb der planetaren Grenzen, im Dienst für Menschen und Gemeinwohl, der Baukultur verpflichtet – statt Profitmaximierung. Diese transformative Wende erfordert zukunftsfähige Weichenstellungen: Entschlossene steuerpolitische Förderungen für Bestandserhalt und Umbaukultur und die Zusammenarbeit auf allen Ebenen der Politik, Bauwirtschaft, Finanzwesen – und das gesellschaftliche Gespräch!

 

Denn Bauen – unsere gebauten Lebensräume – betrifft alle. Deshalb sind gesellschaftliche Debatten darüber, wie wir bauen, so wichtig. Ohne gesellschaftliche Unterstützung fehlt der Schub für die Anstrengungen, die die Transformation uns abverlangt. Aber es steckt in mehrerer Hinsicht viel positives Potenzial in der Bauwende, das stärker in die gesellschaftliche Wahrnehmung gebracht werden muss. Mit praktischen Beispielen unterfütterte neue Narrative können aufzuzeigen, welche Chancen mit dem Wandel verbunden sind.

 

Die Zukunft liegt im Bestand – das belegt nicht nur der zahlenmäßige Vergleich mit dem Neubau. Es gibt schon viele qualitätvolle Umbauten und Leuchtturmprojekte, die das sinnlich erfahrbar machen. Der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten/ BDA stellt auf seiner Website den „Umbau-Atlas“, eine wachsende Sammlung qualitätvoller Umbauprojekte, bereit. Auch der als Citizen Science Projekt entstandene "Abrissatlas" mit inzwischen über 3000 Eintragungen ist auf der BDA-Website zu finden.

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