Architects for Future und die Europäische Bürgerinitiative
HOUSE EUROPE! eröffneten am
6. März die Wanderausstellung
FIX IT! UMBAU STATT ABRISS
in der Neuen Galerie
für bildende Künste in Berlin.
Foto: Antje Bruno
FIX IT! UMBAU STATT ABRISS!
Jedes abgerissene Gebäude verschwendet Ressourcen und Energie, zerstört Gemeinschaften und gebaute Geschichte. Die Initiative House Europe zielt darauf ab, Renovierung und den Umbau vom Bestand zur Norm zu machen – mit den Gebäuden auch Gemeinschaften zu erhalten, eine gerechtere und lokale Bauwirtschaft zu schaffen, Energie und Ressourcen zu sparen und Baukultur zu bewahren.
Fehlende gesellschaftliche Debatte zu den Potenzialen des Bestandes.
Das Potenzial der Bauwende und des Bauens im Bestand wird gesellschaftlich völlig unterschätzt und durch das in Bauwesen und Gesellschaft vorherrschende Narrativ „Wir müssen bauen, bauen, bauen“ übersehen bis ignoriert. Und damit wird selbstverständlich auf den Neubau fokussiert. Es gibt keinen gesellschaftlichen Diskurs zum Thema Bauwende. Abgesehen von einem kleinen Kreis von Pionieren der Branche thematisiert niemand, dass es genug Gebäudebestand für unsere Bedarfe in Europa vorhanden ist. Dabei ist Europa fertig gebaut! Neben einer besseren Förderung von Umbau ist es wichtig, einen Diskurs in der Gesellschaft zu erzeugen. Dazu soll auch die Ausstellung beitragen.
Bestandserhalt und Sanieren einfacher, günstiger und sozial gerechter machen.
Mit der Europäischen Bürgerinitiative HouseEurope! fordern Architects For Future gemeinsam mit vielen weiteren Organisationen, Botschafter:innen und Bauschaffenden durch neue EU-Gesetze, das Bestandserhalt und Sanieren einfacher, günstiger und sozial gerechter zu machen. Es sollen Anreize geschaffen werden, damit die Renovierung und der Umbau bestehender Gebäude in Zukunft die Norm sind. Dadurch sollen Sanierung und Renovierung angekurbelt und der Gebäudebestand aufgewertet werden.
Um diese Ziele zu erreichen, wird ein Recht auf Wiederverwendung für bestehende Gebäude gefordert, dass sich auf drei Forderungen stützt:
DIE FORDERUNGEN:
1. Steuerliche Vorteile für Sanierung und wiederverwendete Materialien
2. Faire und einheitliche Bewertungskriterien für Bestandsgebäude
3. Verpflichtende Ökobilanzierung unter Berücksichtigung des Bestandes
Konkrete Maßnahmen:
STATUS QUO Bauen in Europa
(Auszüge aus dem Langtext der Petition).
Heutzutage werden Gebäude nicht als Wohnräume, sondern als Spekulationsobjekte behandelt. Finanzspekulation führt dazu, dass Millionen von Quadratmetern leerstehen und verfallen oder abgerissen und ersetzt werden. Von funktionierenden Einfamilienhäusern bis hin zu verlassenen Industrie- und Bürogebäuden. Für Immobilienspekulanten steht jedes Gebäude zum Abriss!
Ewiger Zyklus von Abriss und Neubau.
Bis 2050 werden wir so rund 2 Milliarden Quadratmeter Bestandsfläche in Europa abreißen. Das entspricht der Hälfte des Wohnraums in Deutschland oder mehr als dem gesamten Wohnraum von Paris oder Berlin. Stattdessen werden wir Milliarden von Quadratmetern neuen Wohnraum bauen, als Ersatz für das, was bereits da war. Das schafft soziale, wirtschaftliche, ökologische und kulturelle Probleme, da Abrisse immer einen Verlust von Wohnungen, Arbeitsplätzen, Energie und Geschichte bedeuten.
Das Spekulationsproblem: Profitinteressen überwiegen gegen Gemeinwohl.
Das aktuelle System ist darauf ausgelegt, Gebäude abzureißen und neue zu bauen. Dieser Ansatz wird durch Vorschriften und Anreize zugunsten des Neubauens noch gefördert. Bestehende Gebäude werden durch hochpreisige Immobilien ersetzt, die Profitmaximierung über das Gemeinwohl stellen. Das Verhältnis zwischen Spekulation und Sanierung und den Bedürfnissen der Gemeinschaften und der Umwelt ist jedoch komplex.
Natürlich ist Fortschritt für unsere Gesellschaft wichtig, doch muss auch sichergestellt werden, dass dieser nicht auf Kosten bestehender Gemeinschaften, lokaler Wirtschaftskreisläufe, unserer Umwelt und unserer Baukultur geht. Unser Ziel ist es daher, die schädlichen Praktiken der spekulativen Immobilienentwicklung zu beleuchten, die der Grund für den Abriss sind und sich auf jeden einzelnen von uns auswirken.
Die Baukrise – Festhalten an einem nicht zukunftsfähigen System.
Die Bauindustrie hat einen erheblichen Einfluss auf unser Leben, und es ist daher dringend erforderlich, dass über ihren Einfluss auf unseren Alltag gesprochen wird. Die Bauindustrie ist einer der profitabelsten und wichtigsten Märkte in der EU, aber auch einer der größten Verursacher von CO2-Emissionen und einer der größten Energieverbraucher. Nach Angaben der Europäischen Kommission sind Gebäude für rund 36 % der CO2-Emissionen und 40 % des gesamten Energieverbrauchs in der EU verantwortlich und machten im Jahr 2021 35 % der energiebezogenen Emissionen innerhalb der EU aus.
Darüber hinaus erzeugt die Branche mehr als 35 % des gesamten Abfalls in der EU – ihr ökologischer Fußabdruck ist also enorm. Dennoch halten wir an einem System fest, in dem es billiger ist, etwas Neues zu kaufen, als sich um das Alte zu kümmern. In diesem System hat der finanzielle Gewinn Vorrang vor dem Wohlergehen der Menschen und des Planeten. Ein System, in dem Renovierung und Anpassung gegenüber Abriss und Neubau in den Hintergrund getreten sind.
Das mag in der Vergangenheit funktioniert haben, als die Ressourcen scheinbar unendlich vorhanden waren und der Neubau billiger, schneller und einfacher war als die Sanierung bestehender Gebäude. Doch die aktuelle Material- und Energieknappheit zeigt uns, dass dieses System nicht mehr funktioniert. Deshalb ist der Bausektor der Dreh- und Angelpunkt des sozialen und ökologischen Wandels, und alle Beteiligten – von der Immobilienbranche über die Architektinnen und Architekten bis hin zur Bauindustrie – müssen die Risiken des Abrisses und das Potenzial der Renovierung erkennen.
Der Renovierungsmarkt – Potenziale des Bestandes.
Die Renovierung öffentlicher und privater Gebäude birgt ein enormes Potenzial. Das Ziel der EU-Mitgliedstaaten, den Gebäudebestand bis 2050 zu renovieren, lässt sich in konkrete Zahlen fassen: Derzeit sind nur 25 % des europäischen Gebäudebestands renoviert, was bedeutet, dass 75 % der Arbeit noch vor uns liegt. Bei der derzeitigen jährlichen Renovierungsrate von 1 % würde es dreimal so lange dauern, wie wir haben, um die vereinbarten Ziele zu erreichen. Daher müssen wir der Realität ins Auge sehen: Wir müssen die Renovierungsrate verdreifachen, um unsere Ziele zu erreichen!
Um dies zu erreichen, müssen wir den Wert der bestehenden Gebäude erkennen und ihrer Renovierung Vorrang einräumen. Renovieren ist eine großartige Lösung, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, kleine und mittlere Unternehmen zu unterstützen, CO2-Emissionen zu reduzieren und Erinnerungen und Gemeinschaften zu bewahren.
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